Bei einer Scheidung werden Rentenansprüche automatisch aufgeteilt — der sogenannte Versorgungsausgleich sorgt dafür, dass beide Ehepartner fair an den während der Ehe erworbenen Rentenanwartschaften beteiligt werden. Wer 2026 in Scheidung geht, sollte wissen: Das Familiengericht teilt sämtliche Anwartschaften aus gesetzlicher Rentenversicherung, Betriebsrente und privater Altersvorsorge auf — ohne dass du eigens einen Antrag stellen musst.

Was ist der Versorgungsausgleich bei Scheidung und Rente?

Der Versorgungsausgleich ist der gesetzliche Mechanismus, der bei jeder Scheidung greift, sobald die Ehe mindestens drei Jahre gedauert hat. Geregelt ist er im Versorgungsausgleichsgesetz (VersAusglG). Vereinfacht ausgedrückt: Alles, was beide Eheleute während der Ehezeit an Rentenanwartschaften angesammelt haben, wird addiert und dann hälftig geteilt.

Konkret bedeutet das: Hat Partner A in der Ehezeit Rentenanwartschaften von monatlich 800 € aufgebaut und Partner B nur 200 €, werden die gemeinsamen 1.000 € gleichmäßig auf beide aufgeteilt — jeder erhält 500 € Rentenanwartschaft. Der Ausgleich erfolgt nicht in bar, sondern durch die Übertragung von Rentenpunkten.

Was ist der Versorgungsausgleich bei Scheidung und Rente?

Scheidung Rente Aufteilung: So läuft das Verfahren Schritt für Schritt

Der Ablauf des Versorgungsausgleichs folgt einem klaren Schema. Das Familiengericht schickt nach Eingang des Scheidungsantrags automatisch Fragebögen an beide Eheleute und direkt an die Rentenversicherungsträger.

  1. Fragebogen ausfüllen: Beide Ehepartner erhalten vom Gericht einen Fragebogen zu allen Versorgungsanwartschaften (Formular „Fragebogen zum Versorgungsausgleich”). Frist: in der Regel 4 Wochen.
  2. Auskunft der Versorgungsträger: Die Deutsche Rentenversicherung, Pensionskassen und private Versicherer melden dem Gericht die exakten Anwartschaften jedes Partners zum Stichtag der Ehezeit.
  3. Berechnung durch das Gericht: Das Familiengericht berechnet den Ausgleichswert gemäß §§ 10–13 VersAusglG. Bei der gesetzlichen Rente werden konkret Entgeltpunkte übertragen.
  4. Beschluss: Der Versorgungsausgleich wird im Scheidungsbeschluss festgesetzt. Beide Parteien erhalten eine Ausfertigung.
  5. Umsetzung: Die Rentenversicherungsträger setzen den Beschluss um — Rentenpunkte werden intern von einem Konto auf das andere gebucht.

Wichtige Zahlen 2026: Ein Entgeltpunkt in der gesetzlichen Rentenversicherung entspricht ab Juli 2025 einem monatlichen Rentenwert von 40,79 € (West) bzw. einheitlich seit der Rentenangleichung. Wer also 5 Entgeltpunkte übertragen bekommt, erhält später rund 203,95 € mehr Rente pro Monat.

Scheidung Rente Aufteilung: So läuft das Verfahren Schritt für Schritt

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Welche Renten werden bei der Scheidung aufgeteilt?

Nicht jede Altersvorsorge wird automatisch ausgeglichen. Hier ist der Überblick, was einbezogen wird und was nicht:

Nicht einbezogen werden in der Regel:

Liegt der Ausgleichswert einer einzelnen Versorgung unter 3.864 € (2026, §§ 18, 20 VersAusglG) (sog. Bagatellgrenze), kann das Gericht von einem Ausgleich absehen — es sei denn, ein Ehepartner beantragt ihn ausdrücklich.

Ausnahmen und Möglichkeiten: Versorgungsausgleich ausschließen oder anpassen

Unter bestimmten Umständen findet der Versorgungsausgleich nicht statt oder kann durch einen Ehevertrag bzw. eine Scheidungsfolgenvereinbarung modifiziert werden.

Wann entfällt der Versorgungsausgleich automatisch?

Notarieller Ehevertrag oder Scheidungsfolgenvereinbarung

Eheleute können den Versorgungsausgleich ganz oder teilweise ausschließen — aber nur durch einen notariell beurkundeten Vertrag (§ 6 VersAusglG). Wichtig: Eine solche Vereinbarung muss einer richterlichen Inhaltskontrolle standhalten. Wenn ein Partner dadurch krass benachteiligt wird und auf Sozialleistungen angewiesen wäre, kann das Gericht die Vereinbarung kippen.

Möglich ist auch ein Wertausgleich außerhalb des Versorgungsausgleichs: Statt Rentenpunkte zu teilen, einigen sich beide auf eine Ausgleichszahlung in bar oder durch Übertragung anderer Vermögenswerte (§ 6 Abs. 1 Nr. 2 VersAusglG). Das bietet Flexibilität, wenn zum Beispiel eine Immobilie vorhanden ist.

Auswirkungen auf die spätere Rente: Rechenbeispiel 2026

Wie stark wirkt sich der Versorgungsausgleich auf die tatsächliche Rente aus? Ein konkretes Beispiel macht es greifbar:

Ausgangssituation: Ehepaar, verheiratet von Januar 2005 bis Dezember 2024 (20 Jahre Ehezeit). Partner A (Vollzeit berufstätig) hat in dieser Zeit 24 Entgeltpunkte in der gesetzlichen Rentenversicherung erworben. Partner B (überwiegend Kindererziehung, Teilzeit) hat 6 Entgeltpunkte erworben.

Das zeigt: Der Versorgungsausgleich kann die Altersvorsorge beider Partner erheblich verschieben. Wer als Hauptverdiener eine lange Ehe hinter sich hat, sollte frühzeitig prüfen, welche Auswirkungen der Ausgleich auf die eigene Rentenplanung hat.

Rente nach Scheidung: Was passiert bei Tod, Wiederheirat oder Invalidität?

Der Versorgungsausgleich schafft eigenständige Ansprüche — das ist ein zentraler Vorteil gegenüber der früheren Hinterbliebenenrente. Stirbt der Ehepartner, der Rentenpunkte abgegeben hat, bleiben die übertragenen Ansprüche beim überlebenden Ex-Partner bestehen.

Allerdings gibt es Regelungen, die das abmildern:

Tipp: Die Deutsche Rentenversicherung bietet eine kostenlose Rentenauskunft an — dort lässt sich nachvollziehen, wie viele Entgeltpunkte nach dem Ausgleich auf dem eigenen Konto verbucht sind.

Versorgungsausgleich anfechten oder abändern — geht das?

Ein rechtskräftiger Versorgungsausgleich ist grundsätzlich bindend. Es gibt jedoch Situationen, in denen eine Abänderung nach § 51 VersAusglG möglich ist:

Das Abänderungsverfahren muss beim zuständigen Familiengericht beantragt werden. Ein Anwalt oder eine Anwältin für Familienrecht kann hier schnell klären, ob ein Abänderungsantrag Aussicht auf Erfolg hat.

Prüfe deinen Anspruch auf Abänderung, wenn sich deine Versorgungssituation seit der Scheidung grundlegend geändert hat — das lohnt sich finanziell oft erheblich.

Häufig gestellte Fragen

Wie wird die Rente bei Scheidung aufgeteilt?

Bei Scheidung teilt das Familiengericht alle während der Ehezeit erworbenen Rentenanwartschaften durch den Versorgungsausgleich hälftig auf. Bei der gesetzlichen Rente werden Entgeltpunkte zwischen den Rentenkonten beider Partner übertragen — ohne dass eine Zahlung in bar erfolgt.

Wird die Rente bei Scheidung automatisch aufgeteilt?

Ja, der Versorgungsausgleich läuft automatisch ab. Das Familiengericht leitet das Verfahren von Amts wegen ein, sobald ein Scheidungsantrag eingereicht wird. Beide Partner müssen lediglich einen Fragebogen zu ihren Versorgungsanwartschaften ausfüllen.

Was passiert mit der Betriebsrente bei einer Scheidung?

Betriebsrenten, die während der Ehezeit angesammelt wurden, werden in den Versorgungsausgleich einbezogen und hälftig geteilt. Dies erfolgt durch interne Teilung beim Versorgungsträger — der ausgleichsberechtigte Partner erhält ein eigenes Anrecht beim selben Versorgungsträger.

Kann man den Versorgungsausgleich bei Scheidung verhindern?

Ja, per notariellem Ehevertrag oder Scheidungsfolgenvereinbarung kann der Versorgungsausgleich ganz oder teilweise ausgeschlossen werden (§ 6 VersAusglG). Die Vereinbarung muss jedoch einer gerichtlichen Inhaltskontrolle standhalten — eine krasse Benachteiligung eines Partners führt zur Unwirksamkeit.

Wie viel Rente verliere ich durch den Versorgungsausgleich?

Das hängt von der Dauer der Ehe und dem Einkommensunterschied beider Partner ab. Als Faustregel: Je länger die Ehe und je größer der Einkommensunterschied, desto mehr Rentenpunkte werden übertragen. Ein Entgeltpunkt entspricht 2026 rund 40,79 € monatlicher Rente.

Was passiert mit dem Versorgungsausgleich, wenn der Ex-Partner stirbt?

Stirbt der ausgleichsberechtigte Ex-Partner innerhalb von 36 Monaten nach Rentenbeginn, können die übertragenen Entgeltpunkte auf Antrag zurückübertragen werden (§ 37 VersAusglG). Stirbt er vor Rentenbeginn, gibt es unter Umständen ebenfalls einen Anpassungsanspruch — das muss beim Familiengericht beantragt werden.

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