Bei einer Scheidung wird die Riester Rente im Versorgungsausgleich aufgeteilt — und wer das falsch einschätzt, verliert bares Geld. Dieser Artikel zeigt, was 2026 konkret mit deinem Riester-Vertrag passiert, welche Zulagen das Finanzamt zurückfordern kann und wie du deine Ansprüche sicherst.

Riester Rente Scheidung: Versorgungsausgleich als Grundregel

Im Scheidungsverfahren wird das sogenannte Versorgungsausgleich-Verfahren automatisch vom Familiengericht eingeleitet — ohne dass du einen Antrag stellen musst. Rechtsgrundlage ist § 1 Versorgungsausgleichsgesetz (VersAusglG). Alle Rentenanwartschaften, die beide Eheleute während der Ehezeit aufgebaut haben, werden dabei hälftig geteilt.

Die Riester Rente ist eine sogenannte betriebliche oder private Altersversorgung im Sinne von § 2 Abs. 2 Nr. 3 VersAusglG und fällt damit vollständig in den Versorgungsausgleich. Der relevante Zeitraum ist die Ehezeit nach § 3 Abs. 1 VersAusglG: vom ersten Tag des Monats der Eheschließung bis zum letzten Tag des Monats vor Zustellung des Scheidungsantrags.

Das Ergebnis: Die ausgleichsberechtigte Person erhält einen Teil des Riester-Guthabens — entweder durch interne Teilung (eigener Riester-Vertrag beim selben Anbieter) oder durch externe Teilung (Übertragung auf einen anderen Altersvorsorgevertrag).

Riester Rente Scheidung: Versorgungsausgleich als Grundregel

Interne vs. externe Teilung: Der Unterschied zählt

Das Gesetz unterscheidet zwei Wege, wie der Riester-Anteil beim Versorgungsausgleich übertragen wird:

  1. Interne Teilung (§ 10 VersAusglG): Der Anbieter eröffnet für die ausgleichsberechtigte Person einen eigenen Vertrag beim selben Institut. Das ist der Regelfall bei Riester-Verträgen. Der ausgleichsberechtigte Ex-Partner erhält dann ein eigenes Riester-Konto — inklusive der damit verbundenen Fördervoraussetzungen.
  2. Externe Teilung (§ 14 VersAusglG): Nur möglich, wenn der Ausgleichswert gering ist (Grenze: 3.724 € im Jahr 2026, § 14 Abs. 2 Nr. 2 VersAusglG in Verbindung mit § 18 Abs. 3 VersAusglG und dem aktuellen Bezugswert der Rentenversicherung). Hier wird der Kapitalwert an einen anderen Altersvorsorgevertrag übertragen.

Wichtig für Kosten: Die internen Teilungskosten trägt der ausgleichsberechtigte Ehegatte. Der Anbieter darf nach § 13 VersAusglG einen angemessenen Kostenabzug vornehmen — in der Praxis oft zwischen 200 und 500 €, je nach Vertrag und Anbieter.

Interne vs. externe Teilung: Der Unterschied zählt

Zulagenrückforderung: Wenn das Finanzamt zurückverlangt

Hier lauert eine häufig unterschätzte Falle: Wer staatliche Riester-Zulagen erhalten hat, muss unter bestimmten Umständen damit rechnen, dass die Zentralen Zulagenstelle für Altersvermögen (ZfA) Zulagen zurückfordert.

Das passiert konkret in folgenden Konstellationen:

Konkrete Zahlen 2026: Die staatliche Grundzulage beträgt 175 € jährlich (§ 84 EStG). Für jedes kindergeldberechtigte Kind kommen 300 € Kinderzulage hinzu (§ 85 EStG, für vor 2008 geborene Kinder: 185 €). Über eine Ehezeit von z. B. 10 Jahren können das über 1.750 € Grundzulage sein — plus alle Kinderkomponenten. Diese Beträge werden bei schädlicher Verwendung vollständig zurückgefordert.

Sonderfall: Riester-Zulage durch Ehegatten-Mittelbarkeit

Viele Paare nutzen die sogenannte mittelbare Zulageberechtigung nach § 79 Satz 2 EStG: Ein Ehegatte, der selbst nicht unmittelbar förderberechtigt ist (z. B. weil er nicht in der gesetzlichen Rentenversicherung pflichtversichert ist), kann über den anderen Ehegatten Riester-Zulagen erhalten — wenn der unmittelbar Berechtigte seinen Mindesteigenbeitrag leistet.

Nach der Scheidung entfällt diese mittelbare Berechtigung sofort mit Rechtskraft des Scheidungsurteils. Der eigene Riester-Vertrag, der über die mittelbare Berechtigung gefördert wurde, bleibt zwar bestehen — aber es gibt ab diesem Zeitpunkt keine staatlichen Zulagen mehr, sofern keine eigene unmittelbare Förderberechtigung vorliegt. Zulagen für vergangene Jahre bleiben erhalten, solange keine schädliche Verwendung vorliegt.

Riester Rente Scheidung: Was passiert mit dem Wohnriester?

Der Wohnriester (Eigenheimrente nach § 92a EStG) ist ein Sonderfall — das geförderte Kapital steckt nicht in einem Vertrag, sondern im Wohneigentum. Das macht die Scheidung komplizierter:

Quelle: Bundesministerium der Finanzen, BMF-Schreiben zu § 92a EStG; gesetze-im-internet.de — § 92a EStG.

Riester Rente schützen: Diese 5 Schritte helfen konkret

Wer seinen Riester-Vertrag in der Scheidung richtig behandelt, vermeidet teure Fehler. Die folgende Übersicht zeigt, worauf es ankommt:

  1. Vertrag keinesfalls kündigen oder auszahlen lassen — eine Kündigung löst die schädliche Verwendung nach § 93 EStG aus und führt zur vollständigen Rückforderung aller Zulagen und Steuervorteile.
  2. Auskunft beim Anbieter einholen: Fordere eine Bescheinigung über den Vertragswert zum Ehezeitende an — das beschleunigt das gerichtliche Verfahren und verhindert Fehler in der Berechnung des Ehezeitanteils.
  3. Fördervoraussetzungen prüfen: Nach der Scheidung ändern sich ggf. Einkommensverhältnisse oder Beschäftigungssituationen. Die unmittelbare Förderberechtigung nach § 10a EStG setzt u. a. Pflichtmitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung voraus.
  4. Mindestbeitrag weiter leisten: Um die volle Zulage zu erhalten, müssen jährlich mindestens 4 % des rentenversicherungspflichtigen Vorjahreseinkommens eingezahlt werden (mindestens 60 €, höchstens 2.100 € nach § 86 EStG).
  5. Rechtsberatung vor Abschluss eines Vergleichs: Viele Scheidungspaare regeln den Versorgungsausgleich im Scheidungsvergleich abweichend vom gesetzlichen Standard (§ 6 VersAusglG erlaubt Vereinbarungen). Eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Familienrecht kann hier erhebliche Beträge sichern.

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Steuerliche Auswirkungen der Riester-Teilung bei Scheidung

Die Übertragung im Versorgungsausgleich ist für sich genommen kein steuerpflichtiger Vorgang — das hat der Bundesfinanzhof in ständiger Rechtsprechung bestätigt (vgl. BFH-Urteil vom 19. Februar 2013, Az. X R 20/11). Das übertragene Kapital bleibt in der steuerlich geförderten Sphäre und wird erst bei Auszahlung im Rentenalter nach § 22 Nr. 5 EStG nachgelagert besteuert.

Für den ausgleichspflichtigen Ehegatten gilt: Der abgezogene Anteil mindert den Wert des eigenen Riester-Vertrags — zukünftige Rentenzahlungen fallen entsprechend geringer aus. Für den ausgleichsberechtigten Ehegatten gilt: Ein neuer eigener Riester-Vertrag kann ab sofort mit Zulagen weiter bespart werden, sofern die Fördervoraussetzungen vorliegen.

Sonderausgabenabzug: Im Jahr der Scheidung können beide Ehegatten noch gemeinsam veranlagt werden, sofern sie das beantragen und die Voraussetzungen von § 26 EStG (Veranlagungszeitraum bis Trennungsjahr) erfüllt sind — das kann die Steuerlast im Trennungsjahr noch einmal senken.

Riester Rente nach Scheidung: Neue Förderung beantragen

Nach abgeschlossenem Versorgungsausgleich lohnt sich ein Neustart mit der Riester-Förderung — besonders für Alleinerziehende, die nach der Scheidung weiter Kindergeld beziehen.

Die Kinderzulage von 300 € pro Kind (für nach dem 1. Januar 2008 geborene Kinder, § 85 EStG) wird derjenigen Person zugeordnet, die das Kindergeld erhält. Bei Alleinerziehenden kann das die Riester-Rendite erheblich steigern. Beispiel: Zwei Kinder nach 2008 geboren → 600 € Kinderzulage + 175 € Grundzulage = 775 € staatliche Förderung jährlich — dafür muss nur der Mindesteigenbeitrag von 60 € jährlich eingezahlt werden.

Den Zulageantrag stellt der Anbieter automatisch, wenn der Dauerzulageantrag beim Institut gestellt wurde. Nach der Scheidung sollte dieser Antrag aktualisiert werden — insbesondere weil sich Einkommen, Kinderzuordnung und Förderberechtigung geändert haben können.

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Häufig gestellte Fragen

Wird die Riester Rente bei Scheidung automatisch aufgeteilt?

Ja. Das Familiengericht leitet den Versorgungsausgleich automatisch ein (§ 1 VersAusglG). Der während der Ehezeit angesparte Riester-Anteil wird hälftig geteilt — durch interne Teilung beim selben Anbieter oder externe Teilung auf einen anderen Vertrag.

Werden Riester-Zulagen bei Scheidung zurückgefordert?

Die Scheidung allein löst keine Rückforderung aus. Erst wenn der Vertrag gekündigt oder das Kapital ausgezahlt wird (schädliche Verwendung nach § 93 EStG), fordert die Zentrale Zulagenstelle alle erhaltenen Zulagen und Steuervorteile zurück.

Was passiert mit dem Wohnriester bei Scheidung und Hausverkauf?

Wird die geförderte Immobilie verkauft, gilt das grundsätzlich als schädliche Verwendung nach § 93 EStG. Ausnahme: Reinvestition in neue selbst genutzte Immobilie innerhalb von 4 Jahren oder Übertragung auf einen Riester-Sparvertrag — dann entfällt die Rückforderung.

Wie hoch ist die Riester-Zulage 2026?

Die Grundzulage beträgt 175 € jährlich (§ 84 EStG). Für nach 2008 geborene Kinder gibt es 300 € Kinderzulage pro Kind (§ 85 EStG), für früher geborene Kinder 185 €. Voraussetzung ist der Mindestbeitrag von 4 % des Vorjahreseinkommens, mindestens 60 €.

Kann man den Versorgungsausgleich für die Riester Rente vertraglich ausschließen?

Ja. Nach § 6 VersAusglG können Ehegatten den Versorgungsausgleich ganz oder teilweise in einer notariellen Vereinbarung oder einem gerichtlichen Vergleich ausschließen. Das ist möglich vor oder während der Ehe sowie im Scheidungsverfahren selbst.

Wer bekommt die Kinderzulage beim Riester-Vertrag nach der Scheidung?

Die Kinderzulage erhält nach § 85 EStG derjenige Elternteil, dem das Kindergeld ausgezahlt wird. Bei Alleinerziehenden, die allein das Kindergeld beziehen, fließen alle Kinderkomponenten auf deren Riester-Vertrag — ein Update des Dauerauftrags beim Anbieter ist nach der Scheidung zwingend.

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