Wenn der andere Elternteil keinen Unterhalt zahlt, springt der Staat mit dem Unterhaltsvorschuss ein — schnell, unkompliziert und ohne Gerichtsverfahren. Bis zu 322 € monatlich kannst du 2026 für dein Kind beantragen, und zwar rückwirkend ab dem Monat der Antragstellung. Was du jetzt regeln solltest: den Antrag so früh wie möglich stellen, denn Geld gibt es nie rückwirkend für Monate vor dem Antrag.

Was ist der Unterhaltsvorschuss und wer hat 2026 Anspruch?

Der Unterhaltsvorschuss ist eine staatliche Leistung nach dem Unterhaltsvorschussgesetz (UVG). Er sichert Kinder ab, die nur bei einem Elternteil leben und vom anderen Elternteil keinen oder zu wenig Unterhalt erhalten. Der Staat zahlt den Betrag vor — und versucht anschließend, das Geld vom unterhaltspflichtigen Elternteil zurückzuholen.

Voraussetzungen auf einen Blick:

Seit der Gesetzesreform 2017 gibt es keine zeitliche Begrenzung mehr (früher: maximal 72 Monate). Du kannst den Unterhaltsvorschuss also durchgehend bis zum 18. Geburtstag des Kindes erhalten — vorausgesetzt, die Voraussetzungen bleiben erfüllt.

Sonderregel für Kinder von 12 bis 17 Jahren: Ab dem zwölften Geburtstag gibt es eine zusätzliche Bedingung: Das Kind darf nicht auf Bürgergeld (SGB II) angewiesen sein — es sei denn, der alleinerziehende Elternteil verdient mindestens 600 € netto monatlich aus Erwerbstätigkeit.

Unterhaltsvorschuss 2026: Aktuelle Beträge nach Altersstufen

Die Höhe des Unterhaltsvorschusses richtet sich nach dem Mindestkindunterhalt gemäß § 1612a BGB in Verbindung mit der aktuellen Düsseldorfer Tabelle. Der Unterhaltsvorschuss entspricht dem Mindestunterhalt minus dem halben Kindergeld.

Das Kindergeld beträgt seit Januar 2025 einheitlich 255 € pro Kind und Monat — dieser Betrag gilt auch 2026 unverändert.

Altersstufe Mindestunterhalt 2026 Abzug halbes Kindergeld Unterhaltsvorschuss 2026
0–5 Jahre (Stufe 1) 482 € 127,50 € 322 €
6–11 Jahre (Stufe 2) 554 € 127,50 € 426 €
12–17 Jahre (Stufe 3) 649 € 127,50 € 480 €

Hinweis: Die genauen Beträge für 2026 können sich durch eine Anpassung der Mindestunterhaltsverordnung zum 1. Januar 2026 leicht verändern. Die hier genannten Werte basieren auf dem aktuellen Stand. Prüfe beim zuständigen Jugendamt stets die aktuell gültigen Beträge.

Zahlt der andere Elternteil teilweise Unterhalt, wird dieser auf den Unterhaltsvorschuss angerechnet. Du erhältst dann die Differenz zwischen dem vollen Unterhaltsvorschussbetrag und dem gezahlten Unterhalt.

Unterhaltsvorschuss beantragen 2026: Schritt für Schritt

Den Antrag stellst du beim Jugendamt deiner Wohngemeinde. Es gibt keinen bundeseinheitlichen Online-Antrag — die meisten Jugendämter haben aber mittlerweile ein Formular zum Download oder online ausfüllbar auf ihrer Website.

  1. Schritt 1 — Jugendamt kontaktieren: Ruf vorher an oder schreib eine E-Mail, um einen Termin zu vereinbaren. Frag direkt nach dem zuständigen Sachbearbeiter für Unterhaltsvorschuss (UVG).
  2. Schritt 2 — Unterlagen zusammenstellen: Bereite alle Dokumente vor (Liste unten). Vollständige Unterlagen beschleunigen die Bearbeitung erheblich.
  3. Schritt 3 — Antrag stellen: Reiche den Antrag persönlich, per Post oder (wenn möglich) digital ein. Der Antrag gilt ab dem Monat der Antragstellung — warte also nicht.
  4. Schritt 4 — Bescheid abwarten: Das Jugendamt prüft die Voraussetzungen und schickt dir einen Bewilligungsbescheid. Die Zahlung erfolgt monatlich direkt auf dein Konto.
  5. Schritt 5 — Änderungen melden: Ändern sich Einkommen, Wohnsitz oder Familiensituation, bist du gesetzlich verpflichtet, das sofort dem Jugendamt zu melden (§ 6 UVG).

Diese Dokumente brauchst du in der Regel:

Wichtig: Du musst die Identität des anderen Elternteils nicht zwingend kennen. Auch bei unbekanntem Vater kann Unterhaltsvorschuss beantragt werden — das Jugendamt klärt die Vaterschaft dann eigenständig.

Unterhaltsvorschuss und Bürgergeld 2026: Was du wissen musst

Viele Alleinerziehende beziehen gleichzeitig Bürgergeld (SGB II). Hier ist die Kombination möglich — aber es gibt wichtige Anrechnungsregeln:

Lass dich beim Jobcenter oder einer Schuldnerberatung beraten, wenn du unsicher bist, wie sich Unterhaltsvorschuss und Bürgergeld bei dir konkret auswirken.

Was passiert, wenn der andere Elternteil nicht zahlt oder unbekannt ist?

Der Unterhaltsvorschuss ist eine Vorleistung des Staates — nicht ein Geschenk. Das Jugendamt versucht nach § 7 UVG, den ausgezahlten Betrag vom unterhaltspflichtigen Elternteil zurückzufordern. Das passiert unabhängig von dir — du musst dich darum nicht selbst kümmern.

Was du tun musst: Du bist verpflichtet, dem Jugendamt alle bekannten Informationen über den anderen Elternteil mitzuteilen — Adresse, Arbeitgeber, Vermögen. Wer diese Mitwirkungspflicht verletzt, riskiert die Rückforderung bereits ausgezahlter Beträge.

Was wenn der Vater unbekannt ist? Kein Problem für den Antrag. Das Jugendamt kann Vaterschaftsanerkennungen und -feststellungen eigenständig veranlassen. Du wirst dabei unterstützt, bist aber nicht allein verantwortlich.

Was wenn der andere Elternteil im Ausland lebt? Auch dann hast du Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Die Auslandsklausel in § 1 Abs. 2 UVG regelt das. Das Jugendamt versucht dann über internationale Abkommen, den Unterhalt einzufordern.

Häufige Fehler beim Unterhaltsvorschuss-Antrag — und wie du sie vermeidest

Viele Alleinerziehende verlieren bares Geld durch vermeidbare Fehler. Das sind die häufigsten:

Was du jetzt regeln solltest: Deine nächsten Schritte

Der Unterhaltsvorschuss ist eines der unbürokratischsten Instrumente, die Alleinerziehenden in Deutschland zur Verfügung stehen. Du brauchst kein Gerichtsverfahren, keinen Anwalt und keine Einigung mit dem anderen Elternteil. Du brauchst nur: den Antrag.

Deine To-do-Liste für diese Woche:

  1. Jugendamt in deiner Gemeinde online suchen und Kontaktdaten notieren.
  2. Antragformular herunterladen oder Termin vereinbaren.
  3. Unterlagen zusammenstellen (Checkliste oben).
  4. Antrag stellen — am besten noch diese Woche.
  5. Bescheid dokumentieren und Fristen im Blick behalten.

Prüfe außerdem, ob du Anspruch auf weitere Leistungen hast: Kinderzuschlag (bis zu 292 € monatlich, beantragt bei der Familienkasse), Wohngeld oder Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket. Diese Leistungen lassen sich oft kombinieren und können deine finanzielle Situation deutlich verbessern.

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Häufig gestellte Fragen

Unterhaltsvorschuss beantragen 2026 — wie viel Geld bekomme ich?

2026 beträgt der Unterhaltsvorschuss je nach Alter des Kindes zwischen 322 € (0–5 Jahre), 426 € (6–11 Jahre) und 480 € (12–17 Jahre) monatlich. Die Beträge basieren auf dem Mindestunterhalt minus dem halben Kindergeld (127,50 €).

Wo muss ich den Unterhaltsvorschuss beantragen?

Den Antrag stellst du beim Jugendamt deiner Wohngemeinde. Es gibt kein bundeseinheitliches Online-Portal — wende dich direkt an dein lokales Jugendamt, das oft ein Downloadformular auf seiner Website anbietet.

Kann ich Unterhaltsvorschuss beantragen, wenn der Vater unbekannt ist?

Ja. Auch bei unbekanntem Vater hast du Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Das Jugendamt klärt die Vaterschaft eigenständig. Du musst alle bekannten Informationen mitteilen, trägst aber keine Verantwortung für die Durchsetzung.

Wie lange wird der Unterhaltsvorschuss 2026 gezahlt?

Seit der Reform 2017 gibt es keine zeitliche Obergrenze mehr. Der Unterhaltsvorschuss wird bis zum 18. Geburtstag des Kindes gezahlt, solange die Voraussetzungen erfüllt sind. Für Kinder von 12–17 Jahren gilt die zusätzliche Einkommensgrenze von 600 € netto.

Wird der Unterhaltsvorschuss auf das Bürgergeld angerechnet?

Ja, der Unterhaltsvorschuss gilt als Einkommen des Kindes und wird auf das Bürgergeld angerechnet. Das Bürgergeld sinkt entsprechend. Der Antrag lohnt sich dennoch, da beide Leistungen kombiniert werden dürfen und das Kind dadurch insgesamt besser abgesichert ist.

Was passiert, wenn ich vergesse, Änderungen dem Jugendamt zu melden?

Wer Änderungen (neue Partnerschaft, Umzug, Einkommensveränderungen) nicht meldet, riskiert die Rückforderung bereits gezahlter Unterhaltsvorschussbeträge gemäß § 5 UVG. Im schlimmsten Fall droht ein Straftatbestand wegen Leistungsmissbrauchs.

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