Die Scheidungskosten liegen 2026 zwischen 800 und 2.500 Euro — wenn Sie nicht genug Geld haben, müssen Sie das nicht selbst zahlen. Die Verfahrenskostenhilfe (auch Prozesskostenhilfe genannt) übernimmt Anwaltsgebühren und Gerichtskosten, wenn Ihr Einkommen unter bestimmte Grenzen fällt. Dieser Leitfaden zeigt Ihnen exakt, wie Sie den Antrag stellen, welche Unterlagen das Gericht prüft, und wie schnell eine Entscheidung fällt — damit Sie die Scheidung ohne finanzielle Angst einreichen können.
⚠️ Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen
Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für deine konkrete Situation empfehlen wir
eine Beratung durch einen zugelassenen Rechtsanwalt für Familienrecht.
Was ist Verfahrenskostenhilfe bei der Scheidung wirklich?
Die Verfahrenskostenhilfe ist ein Anspruch, kein Geschenk: Das Gericht zahlt Anwaltskosten und Gebühren, wenn Sie die Kosten selbst nicht tragen können. Der Staat springt ein — Sie müssen die Hilfe aber später oft zurückzahlen, wenn Ihr Einkommen sich verbessert.
Wichtig: Es gibt zwei Varianten:
- Verfahrenskostenhilfe (§ 76 FamFG): Für Familienrechtsfälle wie Scheidung, Unterhalt, Sorgerecht. Das ist Ihre Anlaufstelle.
- Prozesskostenhilfe (§ 114 ZPO): Für andere Zivilprozesse — nicht für Scheidung relevant.
Der Antrag wird beim Familiegericht gestellt, nicht beim Sozialamt. Das Gericht prüft Ihr Einkommen und Vermögen innerhalb von 4–8 Wochen.

Voraussetzungen für Scheidung Verfahrenskostenhilfe: Die Einkommensgrenzen 2026
Das Gericht prüft zwei Fragen: (1) Können Sie die Kosten selbst zahlen? (2) Hat Ihre Beschwerde erfolgversprechende Aussichten?
Die Einkommensgrenzen 2026:
- Netto-Einkommen bis 900 Euro/Monat: Sie bekommen fast sicher Verfahrenskostenhilfe.
- Netto-Einkommen 900–1.200 Euro: Gericht prüft Einzelfall — Haushaltsgröße und Schulden spielen eine Rolle.
- Netto-Einkommen über 1.200 Euro: Antrag wird in den meisten Fällen abgelehnt.
Das Netto-Einkommen berechnet sich aus:
- Bruttoverdienst (Gehalt)
- Abzüge: Krankenversicherung, Pflegeversicherung, Rentenbeitrag
- Kindergeld zählt NICHT als Einkommen
- Bürgergeld zählt VOLLSTÄNDIG
- Ehegattenunterhalt, den Sie zahlen, darf abgezogen werden
Vermögensgrenze: Ihr verwertbares Vermögen darf 3.000 Euro nicht übersteigen (bei Ehegatten 6.000 Euro). Hausrat, Möbel und das Auto zählen normalerweise nicht dazu.

Scheidung Verfahrenskostenhilfe beantragen: Der genaue Antragsprozess
Sie stellen den Antrag bei dem Familiegericht, das für Ihren Wohnort zuständig ist — vor oder parallel zur Scheidungsklage.
So funktioniert es Schritt für Schritt:
- Formular besorgen: Laden Sie das Formular zur Verfahrenskostenhilfe vom Gericht herunter oder fordern Sie es an. Es heißt meist “Antrag auf Verfahrenskostenhilfe” oder “Antrag auf Beratungshilfe”.
- Einkommenserklärung ausfüllen: Sie müssen Ihr Einkommen der letzten 3 Monate nachweisen — Gehaltsabrechnungen oder Kontoauszüge.
- Vermögenserklärung: Sparbuch, Depot, Auto-Papiere — alles, was verwertbar ist.
- Schulden auflisten: Kreditkarten, Kredite, Mietschulden — der Gläubiger zieht das ab.
- Rechtsanwalt benennen (optional aber wichtig): Sie können einen Anwalt eintragen, den Sie (mit Zuschuss) beauftragen wollen. Der Anwalt kann den Antrag auch mitstellen.
- Bei Gericht einreichen: Persönlich, per Post oder online im E-Justiz-Portal des Bundeslandes.
- Warten: Das Gericht prüft 4–8 Wochen. In dringenden Fällen können Sie “einstweilige Verfahrenskostenhilfe” beantragen — die wird oft schneller bewilligt.
Besonderheit: Der Antrag kann auch noch während des laufenden Scheidungsverfahrens gestellt werden. Viele Anwälte stellen ihn zusammen mit der Klage.
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Welche Unterlagen Sie jetzt sammeln sollten
Das Gericht prüft alles gründlich. Fehlende Unterlagen verzögern die Entscheidung um Wochen. Diese Checkliste verhindert Verzögerungen:
- Einkommensnachweise (3 Monate aktuell): Gehaltslisten vom Arbeitgeber, Kontoauszüge für selbstständige Einkünfte, Rentenscheide, Bürgergeld-Bescheid
- Mietvertrag & Nebenkosten-Abrechnung: Zum Nachweis, dass Sie Miete zahlen (zählt als notwendiger Bedarf)
- Kindergeld-Bescheid: Um zu zeigen, dass dies nicht als Einkommen zählt
- Sparkonten, Depot, Versicherungen: Aktuelle Kontoauszüge (keine älter als 1 Monat)
- Schulden-Dokumente: Kreditverträge, Mietschulden-Rechnungen, Ratenkredite
- Eheschein & Personalausweis: Zur Identität
- Evtl. Unterhalts-Zahlungen: Wenn Sie Unterhalt zahlen oder bekommen, Nachweise beifügen
Pro-Tipp: Machen Sie Kopien von allem. Das Original brauchen Sie für den Anwalt.
Was kostet die Verfahrenskostenhilfe? Müssen Sie später zahlen?
Das ist die zentrale Frage: Verfahrenskostenhilfe ist nicht kostenlos — Sie müssen sie später oft zurückzahlen.
So funktioniert es:
- Antrag + Genehmigung: 0 Euro. Der Antrag kostet nichts.
- Während des Verfahrens: 0 Euro. Sie zahlen Anwalt und Gericht nicht selbst.
- Nach der Scheidung: Das Gericht legt eine Ratenregelung fest. Beispiel: Sie zahlen 50 Euro pro Monat über 3 Jahre = 1.800 Euro insgesamt.
Wichtig: Nur wenn Ihr Einkommen sich dauerhaft nicht verbessert, kann die Schuld auch erlassen werden. Das prüft das Gericht alle 2–3 Jahre nach.
Wann müssen Sie NICHT zahlen?
- Wenn der andere Ehepartner die Kosten zahlen muss (bei sehr unterschiedlichen Einkommen kann der Richter das anordnen)
- Wenn Ihr Einkommen auf Dauer unter 400 Euro bleibt
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Tipps für Scheidung Verfahrenskostenhilfe beantragen: So erhöhen Sie die Chancen
1. Beantragen Sie sofort — nicht erst später: Der Antrag wirkt rückwirkend zum Zeitpunkt der Scheidungseinreichung. Wenn Sie ihn 2 Monate später stellen, müssen Sie die ersten 2 Monate selbst zahlen.
2. Seien Sie ehrlich bei den Zahlen: Falsche Angaben zum Einkommen sind Betrug. Das Gericht prüft sowieso über die Finanzbehörde.
3. Erklären Sie Ihre Situation: Ein kurzer schriftlicher Satz kann helfen: “Ich habe kein Geld für Anwalts- und Gerichtskosten, da ich allein erziehend bin und Bürgergeld beziehe.” Das zeigt dem Richter, dass Sie ernst nehmen, was Sie beantragen.
4. Nutzen Sie einen Anwalt mit Verfahrenskostenhilfe-Erfahrung: Ein guter Anwalt kennt die lokalen Richtlinien und kann den Antrag so stellen, dass er genehmigt wird. Viele Anwälte stellen den Antrag gratis mit der Scheidungsklage.
5. Beantragen Sie die einstweilige Verfahrenskostenhilfe: Wenn das normale Verfahren zu lange dauert (über 8 Wochen), können Sie beim Gericht die schnelle Variante anfordern. Sie gilt dann ab sofort, solange das Gericht prüft.
6. Falls abgelehnt — Beschwerde einreichen: Das Gericht lehnt ab? Sie können beim Oberlandesgericht Beschwerde einreichen (§ 83 FamFG). Diese Beschwerde kostet 20–30 Euro und hat gute Chancen, wenn Ihr Einkommen niedrig ist.
Wie lange dauert es, bis die Verfahrenskostenhilfe genehmigt wird?
Normale Bearbeitung: 4–8 Wochen. In dieser Zeit können Sie schon Ihren Anwalt beauftragen — der Antrag arbeitet rückwirkend.
Beschleunigte Verfahren: 2–3 Wochen, wenn Sie “Dringlichkeit” nachweisen (z. B. Gewalt in der Familie, Kind ohne Sorgerecht).
Was passiert dazwischen?
- Das Gericht sendet Ihnen einen Beschluss per Post.
- Die Genehmigung ist gültig für alle Kosten ab dem Antragsmonat.
- Ihr Anwalt wird ebenfalls benachrichtigt und rechnet dann mit der Staatskasse ab.
Tipp: Fragen Sie beim Gericht telefonisch nach (“Aktenzeichen X–Y–Z”) — oft können Sie den Status prüfen, ohne eine E-Mail zu schreiben.
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Häufige Fehler, die Ihren Antrag stoppen können
- Zu late antragen: Wenn Sie 3 Monate nach der Scheidungseinreichung erst antragen, bekommen Sie nur ab diesem Punkt Hilfe — die ersten 3 Monate zahlen Sie selbst.
- Konten vergessen: Ihr zweites Sparkonto verschweigen? Das Gericht findet es trotzdem heraus (Finanzbehörde-Abfrage). Dann wird der Antrag abgelehnt oder Sie müssen alles zurückzahlen.
- Zu hohe Einkommen-Angaben: Viele vergessen, dass Steuern und Versicherung abzugsfähig sind. Rechnen Sie richtig: Brutto minus Abzüge = Netto.
- Kein Anwalt benannt: Der Antrag funktioniert auch ohne Anwalt-Nennung, aber der Prozess dauert länger. Besser: Nennen Sie einen, damit das Gericht die Gebühren in einer Summe regeln kann.
- Haushaltsbudget nicht realistisch: Geben Sie zu niedrige Miete oder Nebenkosten an? Das Gericht prüft mit den lokalen Durchschnittswerten.
Scheidung Verfahrenskostenhilfe beantragen: Mit oder ohne Anwalt?
Ohne Anwalt: Sie können die Scheidung selbst einreichen UND den Verfahrenskostenhilfe-Antrag selbst stellen. Das spart die Anwaltsgebühr von etwa 300–500 Euro für den reinen Antrag. Nachteil: Der Prozess ist kompliziert, und wenn der Antrag falsch ausgefüllt ist, wird er abgelehnt.
Mit Anwalt: Der Anwalt stellt Antrag und Scheidungsklage zusammen. Kosten: 0 Euro, weil der Staat zahlt. Der Anwalt wird von der Staatskasse bezahlt — keine Doppelkosten. Das ist fast immer sinnvoll, wenn Sie wenig Geld haben.
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Häufig gestellte Fragen
Kann ich Verfahrenskostenhilfe beantragen, obwohl mein Partner verdient?
Ja. Das Einkommen des Partners spielt beim Antrag keine Rolle — nur Ihr eigenes Einkommen und Vermögen zählen. Allerdings kann der Richter nach der Scheidung anordnen, dass der verdienende Partner einen Teil der Kosten trägt (Kostenerstattung nach § 81 FamFG). Das ist aber eine separate Entscheidung.
Was ist der Unterschied zwischen Verfahrenskostenhilfe und Beratungshilfe?
Beratungshilfe (bis 600 Euro) ist für kleine rechtliche Fragen vor der Scheidung — z. B. ein Anwalt-Gespräch. Verfahrenskostenhilfe ist für das gesamte Scheidungsverfahren mit Anwalt und Gericht (oft 2.000–5.000 Euro Gesamtkosten). Beratungshilfe ist schneller (1–2 Wochen), Verfahrenskostenhilfe braucht länger (4–8 Wochen).
Kann mein Antrag auf Verfahrenskostenhilfe abgelehnt werden?
Ja, wenn: (1) Ihr Einkommen über 1.200 Euro netto liegt, (2) Sie mehr als 3.000 Euro Vermögen haben, (3) Ihre Chancen auf Scheidung sehr gering sind (unrealistische Gründe). Falls abgelehnt, können Sie Beschwerde beim Oberlandesgericht einreichen (20–30 Euro). Mit niedriger Einkommen ist die Chancenquote aber sehr hoch (über 80 %).
Muss ich die Verfahrenskostenhilfe gleich ganz zahlen, oder in Raten?
Fast immer Raten. Das Gericht bestimmt einen Ratenbetrag, den Sie nach der Scheidung zahlen (z. B. 50–100 Euro/Monat über 3–5 Jahre). Sie können auch widersprechen, wenn die Raten zu hoch sind — dann verhandelt das Gericht neu. Wenn Ihr Einkommen nicht steigt, kann auch Stundung oder Erlass gewährt werden.
Bekomme ich Verfahrenskostenhilfe, wenn ich Bürgergeld bekomme?
Ja, sehr gute Chancen. Bürgergeld-Empfänger erfüllen fast immer die Einkommensgrenze und bekommen Verfahrenskostenhilfe genehmigt. Sie müssen aber alle 3 letzten Bürgergeld-Bescheide und den aktuellen Kontoauszug beifügen. Kindergeld, das Sie neben Bürgergeld bekommen, zählt nicht als zusätzliches Einkommen.
Kann ich die Verfahrenskostenhilfe in einem anderen Bundesland beantragen?
Nein. Der Antrag wird bei dem Familiegericht gestellt, das für Ihren Wohnort zuständig ist — also genau das Gericht, das später auch über die Scheidung entscheidet. Die Verfahren sind bundesweit gleich, aber die Bearbeitungszeiten und Formulare unterscheiden sich leicht je nach Bundesland.