Wenn der Unterhaltspflichtige nicht zahlt, musst du nicht warten — die Pfändung ist dein Werkzeug, um die Zahlung zu erzwingen. Hier erfährst du konkret, wie du Lohn, Konto oder Vermögen pfänden lässt, welche Fristen gelten und welche Kosten entstehen.

Was bedeutet Unterhalt pfänden? Die Grundlagen

Pfändung heißt: Ein Gericht oder Gerichtsvollzieher beschlagnahmt Einkommen oder Vermögen des Unterhaltsschuldners, um deine ausstehenden Zahlungen zu sichern. Das ist kein Gnadenakt — es ist ein rechtliches Zwangsmittel, wenn freiwillige Zahlung ausbleibt.

Es gibt drei Pfändungsarten:

Wichtig: Die Unterhaltsvorschuss-Agentur (UVA) kann für dich pfänden, wenn du Alleinerziehende/r mit Kindern unter 12 Jahren bist und § 1706 BGB erfüllt ist.

Was bedeutet Unterhalt pfänden? Die Grundlagen

Schritt 1: Titulierung — der Grundstein für die Pfändung

Ohne Titel geht nichts. Ein Titel ist eine Urkunde, die deinen Unterhaltsanspruch offiziell bestätigt. Es gibt mehrere:

Kosten: Für einen Unterhaltstitel fallen Gerichtsgebühren ab 50 € auf an, je nach Streitwert. Hast du bereits einen Scheidungsurteil mit Unterhaltsregelung, brauchst du keinen neuen Titel.

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Schritt 1: Titulierung — der Grundstein für die Pfändung

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Schritt 2: Lohnpfändung anordnen — so funktioniert es

Die Lohnpfändung ist das häufigste und effizienteste Mittel. Der Arbeitgeber wird zum Zahler für dich.

So läuft die Lohnpfändung ab:

  1. Du stellst einen Antrag auf Erlass eines Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses beim Amtsgericht (Vollstreckungsgericht — § 829 ZPO)
  2. Das Gericht prüft deinen Titel und erlässt einen Beschluss
  3. Der Gerichtsvollzieher stellt den Beschluss dem Arbeitgeber zu
  4. Der Arbeitgeber überweist den gepfändeten Betrag monatlich an dein Konto

Pfändungsfreigrenzen (Stand 2024):

Dauer: Der Prozess dauert 4-8 Wochen ab Antrag bis erste Zahlung. Die Pfändung läuft monatlich, bis die Schuld beglichen ist oder der Unterhaltsanspruch erlischt.

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Schritt 3: Kontopfändung — wenn der Schuldner Arbeitgeber ist

Lohnpfändung funktioniert nicht? Vielleicht ist der Schuldner Selbstständiger, Unternehmer oder bezieht Einkünfte ohne Arbeitgeber. Dann pfändest du sein Bankkonto.

Ablauf Kontopfändung:

  1. Du musst die Bank und Kontonummer des Schuldners kennen (oder zumindest wissen, wo er ein Konto hat)
  2. Antrag beim Amtsgericht auf Kontoofenbarbeitungsbeschluss (§ 835 ZPO)
  3. Der Gerichtsvollzieher stellt den Beschluss der Bank zu
  4. Die Bank sperrt das Konto — es können nur noch Geldbeträge bis zur Unterhaltsschutzquote abgebucht werden

Pfändungsschutz bei Konten: Konten sind nicht unbegrenzt pfändbar. Die Bank muss einen Freibetrag von mind. 1.181 € pro Monat schützen (§ 850k ZPO). Mit Kindern erhöht sich dieser Betrag.

Vorsicht: Kontopfändung ist kurzfristig wirksam, aber der Schuldner kann ein neues Konto eröffnen. Die Pfändung ist daher weniger dauerhaft als Lohnpfändung.

Schritt 4: Vermögenspfändung — Immobilien, Autos, Ersparnisse

Wenn Lohn und Konto nicht reichen, kann der Gerichtsvollzieher in Vermögen gehen.

Immobilien (Grundpfandrecht):

Fahrzeuge:

Ersparnisse:

Unterhaltsvorschuss nutzen — staatliche Zahlungen bei Zahlungsausfall

Wenn der Schuldner nicht zahlungsfähig ist oder sich versteckt, zahlt der Staat: die Unterhaltsvorschuss-Agentur übernimmt Zahlungen.

Wer bekommt Unterhaltsvorschuss?

Höhe (2024):

Antrag stellen: Beim Jugendamt deiner Stadt — online oder persönlich. Bearbeitung: 4-6 Wochen. Der Staat zahlt dann direkt an dich und pfändet später beim Schuldner, um sein Geld zurückzuholen.

Wichtig: Die UVA-Agentur hat mehr Möglichkeiten zu pfänden als du als Privatperson. Sie kann Konten schneller sperren und internationalen Zahlungsverkehr unterbrechen.

Gerichtsvollzieher einschalten — was kostet das?

Der Gerichtsvollzieher ist dein Werkzeug, um Pfändungen durchzusetzen. Er stellt Beschlüsse zu und führt Pfändungen durch.

Gebühren für Gerichtsvollzieher (Gebührenordnung — Anlage 4 ZVG):

Diese Kosten trägt der Schuldner — nicht du. Wenn die Zwangsvollstreckung erfolgreich ist, werden alle Kosten aus dem Erlös bezahlt, bevor die Schuld beglichen wird.

Wie stellst du einen Antrag beim Gerichtsvollzieher?

  1. Du brauchst deinen Titel (Scheidungsurteil, Unterhaltsurteil oder Titulierungsurteil)
  2. Antrag beim Amtsgericht stellen, nicht beim Gerichtsvollzieher
  3. Das Gericht weist einen Gerichtsvollzieher zu
  4. Der Gerichtsvollzieher kontaktiert dich und handelt
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Kosten für Titulierung und Pfändung — Schritt-für-Schritt Übersicht

Szenario A: Du brauchst erst einen Unterhaltstitel

Szenario B: Du hast bereits einen Unterhaltstitel (z. B. Scheidungsurteil)

Wichtig: In Unterhaltsstreitigkeiten kann Prozesskostenhilfe (PKH) gewährt werden, wenn dein Einkommen gering ist. Dann trägt der Staat die Gerichtskosten.

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Fristen und Wartezeiten — wie lange dauert es?

Zeit ist ein kritischer Faktor. Hier sind realistische Fristen:

Tip: Wenn es dringend ist, kannst du eine einstweilige Sicherungsmaßnahme beantragen (§ 940 ZPO). Das ist ein Schnellverfahren, das 1-2 Wochen dauert und sofort wirkt, während das Hauptverfahren läuft.

Was du selbst vorbereiten kannst — ohne Anwalt

Du musst nicht alles über einen Anwalt regeln. Viele Schritte kannst du selbst vorbereiten:

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Pfändung beim Selbstständigen — Besonderheiten

Selbstständige und Freiberufler sind schwerer zu pfänden als Angestellte, aber nicht unmöglich.

Lohnpfändung: Nicht möglich — Selbstständige haben keinen Arbeitgeber.

Kontopfändung: Das erste Mittel. Mit dem Geschäftskonto wird es schwieriger, weil legitime Betriebsausgaben geschützt sind. Die Bank muss ein Mindestguthaben freigeben.

Betriebsmittel-Pfändung: Betriebseinrichtungen, Maschinen, Autos können gepfändet werden. Der Gerichtsvollzieher bewertet diese und versteigert sie.

Forderungspfändung: Der Gerichtsvollzieher pfändet Forderungen des Schuldners gegen seine Kunden. Diese müssen dann direkt an dich bezahlen.

Tip: Bei Selbstständigen ist die Vermögenspfändung (Immobilien, Autos) oft effektiver als Konten.

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Häufig gestellte Fragen

Kann ich den Unterhalt ohne Anwalt pfänden lassen?

Ja, grundsätzlich kannst du selbst einen Antrag auf Pfändung beim Amtsgericht stellen. Du brauchst einen gültigen Unterhaltstitel (Scheidungsurteil, Unterhaltsurteil). Aber für komplexe Fälle (Vermögenspfändung, Selbstständige) ist ein Anwalt sinnvoll — die Kosten trägt später der Schuldner.

Was passiert wenn der Unterhaltsschuldner keinen Lohn hat?

Dann nutzt du Kontopfändung (Bankkonto sperren) oder Vermögenspfändung (Immobilien, Autos). Besteht mit Kindern unter 12 Jahren ein Anspruch, kann die Unterhaltsvorschuss-Agentur einspringen und monatlich bis zu 268 € zahlen (je nach Alter).

Wie viel vom Gehalt kann gepfändet werden?

Das hängt vom Nettoeinkommen ab. Grundfreibetrag: 1.362 € (mit Kindern bis zu 2.463 €). Von dem Einkommen darüber werden 10-40 % gepfändet, je nach Höhe. Beispiel: Bei 2.000 € Netto mit 1 Kind können ca. 180-250 € gepfändet werden.

Wie lange dauert eine Lohnpfändung bis zur ersten Zahlung?

4-8 Wochen vom Antrag beim Gericht bis zur ersten Zahlung. Das Gericht erlässt den Beschluss (2-4 Wo.), der Gerichtsvollzieher stellt ihn dem Arbeitgeber zu (1-2 Wo.), der Arbeitgeber überweist dann monatlich.

Wer trägt die Kosten für Pfändung?

Der Schuldner trägt alle Kosten: Gerichtsvollzieher-Gebühren (ab 25 €), Kontoermittlung (30-100 €), Verwertungsgebühren. Wenn die Pfändung erfolgreich ist, werden die Kosten vom eingezogenen Geld abgezogen, bevor die Schuld beglichen wird.

Kann der Unterhaltsschuldner eine Pfändung anfechten?

Ja, er kann Beschwerde einreichen, wenn der Pfändungsbeschluss fehlerhaft ist. Aber wenn dein Titel rechtskräftig ist (z. B. Scheidungsurteil), sind die Chancen gering. Der Gläubiger kann auch Einwände gegen den Titel erheben (z. B. inzwischen zahlungsunfähig).