Wer einen Kindesunterhalt erhöhen Antrag stellen möchte, kann das außergerichtlich oder per Klage vor dem Familiengericht tun – und bekommt bei Erfolg rückwirkend ab Antragstellung mehr Geld. Die Düsseldorfer Tabelle 2026 gilt als maßgebliche Grundlage: Sie wurde zum 1. Januar 2026 angepasst und legt fest, wie viel Unterhalt ein Kind je nach Einkommensgruppe des Pflichtigen und Altersgruppe des Kindes verlangen kann. Wer heute einen Antrag vorbereitet, handelt richtig – denn der Anspruch auf erhöhten Unterhalt gilt erst ab dem Zeitpunkt, zu dem der Unterhaltspflichtige schriftlich in Verzug gesetzt oder der Gerichtsantrag gestellt wurde.

Wann ein Antrag auf Erhöhung des Kindesunterhalts möglich ist

Der Kindesunterhalt kann erhöht werden, wenn sich die wirtschaftlichen Verhältnisse des Unterhaltspflichtigen wesentlich verbessert haben oder wenn das Kind in eine höhere Altersgruppe aufgestiegen ist. Beides wirkt sich direkt auf die Einstufung in der Düsseldorfer Tabelle aus.

Konkrete Gründe für einen Erhöhungsantrag:

Wichtig: Eine „wesentliche Änderung” im Sinne von § 238 FamFG liegt in der Regel vor, wenn der Unterhalt um mehr als 10 % vom bisherigen Betrag abweichen würde.

Wann ein Antrag auf Erhöhung des Kindesunterhalts möglich ist

Düsseldorfer Tabelle 2026: Die aktuellen Beträge im Überblick

Die Düsseldorfer Tabelle 2026 ist die Grundlage jedes Erhöhungsantrags. Sie gestaffelt nach Einkommensgruppe des Pflichtigen (bereinigtes Nettoeinkommen) und Altersgruppe des Kindes.

Mindestunterhalt 2026 (Einkommensgruppe 1, bis 2.100 € Netto):

Das Kindergeld (250 € monatlich, Stand 2026) wird zur Hälfte auf den Unterhaltsanspruch angerechnet, wenn das Kind beim betreuenden Elternteil lebt. Beim Mindestunterhalt ergibt sich dadurch z.B. für ein Kind von 0–5 Jahren ein Zahlbetrag von 355 € (480 € minus 125 €).

Verdient der Pflichtige mehr als 2.100 € netto, steigt der Unterhalt stufenweise: Die Tabelle reicht bis zur 10. Einkommensgruppe (über 7.500 € Netto). Darüber hinaus entscheidet das Gericht nach dem konkreten Bedarf des Kindes.

Für eine genaue Berechnung lohnt sich ein Blick auf aktuelle Unterhaltsrechner oder eine Beratung beim Anwalt für Familienrecht – besonders wenn das Einkommen des Pflichtigen nicht transparent ist.

Düsseldorfer Tabelle 2026: Die aktuellen Beträge im Überblick

Kindesunterhalt erhöhen Antrag: Der Ablauf Schritt für Schritt

Der Weg zum höheren Kindesunterhalt läuft in mehreren Phasen ab. Wer diese kennt, spart Zeit und vermeidet Fehler.

  1. Einkommensauskunft verlangen (§ 1605 BGB)
    Jeder Unterhaltspflichtige muss einmal jährlich auf Verlangen Auskunft über sein Einkommen geben. Schreibe eine formlose schriftliche Anforderung – das Datum ist entscheidend, weil es später die Rückwirkung beeinflusst.
  2. Neuen Unterhaltsbedarf berechnen
    Auf Basis des mitgeteilten Einkommens die Einkommensgruppe in der Düsseldorfer Tabelle 2026 bestimmen, Kindergeld abziehen, Zahlbetrag festhalten.
  3. Verzugssetzung / Aufforderungsschreiben
    Per Einschreiben-Rückschein den Unterhaltspflichtigen auffordern, ab einem bestimmten Datum den erhöhten Betrag zu zahlen. Ohne dieses Schreiben gibt es keinen rückwirkenden Anspruch.
  4. Außergerichtliche Einigung versuchen
    Viele Fälle lassen sich durch eine neue notarielle Urkunde (§ 794 ZPO) oder einen Jugendamtsbeschluss lösen – das ist günstiger als ein Gerichtsverfahren.
  5. Abänderungsantrag beim Familiengericht (§ 238 FamFG)
    Wenn der Pflichtige nicht zahlt oder ablehnt, wird ein Abänderungsantrag beim zuständigen Amtsgericht (Familiengericht) gestellt. Zuständig ist in der Regel das Gericht am Wohnort des Kindes.
  6. Titulierung des neuen Unterhaltsbetrags
    Das Gericht erlässt einen neuen Unterhaltsbeschluss. Dieser ist sofort vollstreckbar.

Wer auf eine schnelle Lösung angewiesen ist und keinen Anwalt bezahlen kann, kann beim Jugendamt kostenlose Unterstützung und Beistandschaft nach § 52a SGB VIII beantragen.

Welche Dokumente du für den Antrag brauchst

Eine vollständige Akte beschleunigt das Verfahren erheblich. Diese Unterlagen sollten bereitliegen:

Fehlen Einkommensnachweise, weil der Pflichtige die Auskunft verweigert, kann das Gericht ihn per Beschluss zur Auskunft verpflichten. Wer dauerhaft keine Auskunft erteilt, riskiert eine Schätzung nach oben durch das Gericht.

Rückwirkung und Fristen: Ab wann gilt der erhöhte Unterhalt?

Der erhöhte Unterhalt gilt nicht automatisch rückwirkend. Es gelten folgende Regeln:

Deshalb gilt: Jeder Monat Zögern kostet bares Geld. Wer heute das Aufforderungsschreiben abschickt, sichert sich den rückwirkenden Anspruch ab diesem Datum.

Aktuelle Änderungen, neue Tabellenwerte und Muster-Schreiben gibt es regelmäßig in unserem kostenlosen Newsletter für Unterhaltsrecht – dort werden Leser informiert, sobald sich Beträge oder Rechtsprechung ändern.

Antrag ohne Anwalt: Was das Jugendamt übernimmt

Viele Eltern wissen nicht, dass das Jugendamt kostenlos beim Kindesunterhalt helfen kann. Grundlage ist § 52a SGB VIII (Beistandschaft). Das Jugendamt kann:

Die Beistandschaft ist kostenlos und beeinflusst nicht das Sorgerecht. Sie ist besonders sinnvoll, wenn der Pflichtige nicht kooperiert oder die finanziellen Mittel für einen Anwalt fehlen.

Für komplexere Fälle – etwa wenn der Pflichtige selbstständig ist, verschleiertes Einkommen hat oder im Ausland lebt – empfiehlt sich dennoch ein Fachanwalt für Familienrecht. Viele Anwälte bieten eine kostenlose Erstberatung oder arbeiten auf Basis von Prozesskostenhilfe (PKH nach §§ 114 ff. ZPO), wenn das eigene Einkommen gering ist.

Häufige Fehler beim Erhöhungsantrag – und wie man sie vermeidet

Diese Fehler verzögern oder gefährden den Anspruch auf erhöhten Kindesunterhalt:

Häufig gestellte Fragen

Wie stelle ich einen Antrag auf Erhöhung des Kindesunterhalts?

Fordere zunächst schriftlich (Einschreiben-Rückschein) Auskunft über das aktuelle Einkommen des Unterhaltspflichtigen nach § 1605 BGB an. Berechne dann auf Basis der Düsseldorfer Tabelle 2026 den neuen Unterhaltsbetrag und fordere ihn schriftlich zur Zahlung auf. Zahlt er nicht, kann ein Abänderungsantrag beim Familiengericht nach § 238 FamFG gestellt werden – kostenlos auch über das Jugendamt.

Ab wann gilt der erhöhte Kindesunterhalt rückwirkend?

Rückwirkend gilt der erhöhte Unterhalt ab dem Datum, an dem du den Unterhaltspflichtigen schriftlich in Verzug gesetzt hast, oder ab Eingang des Abänderungsantrags beim Familiengericht. Ohne schriftliche Aufforderung gibt es keine Rückwirkung – jeder Monat ohne Schreiben bedeutet verlorenes Geld.

Welcher Kindesunterhalt gilt 2026 als Mindestunterhalt?

Laut Düsseldorfer Tabelle 2026 beträgt der Mindestunterhalt für Kinder von 0–5 Jahren 480 €, für 6–11-Jährige 551 €, für 12–17-Jährige 645 € und ab 18 Jahren 693 € monatlich. Nach Abzug des halben Kindergelds (125 €) ergibt sich der jeweilige Zahlbetrag.

Kann ich Kindesunterhalt ohne Anwalt erhöhen lassen?

Ja. Das Jugendamt bietet kostenlose Beistandschaft nach § 52a SGB VIII an und kann den Unterhalt berechnen, einfordern und einen neuen Titel errichten. Bei komplexen Fällen (Selbstständige, Auslandsfall, verschleiertes Einkommen) ist ein Fachanwalt für Familienrecht empfehlenswert – oft auf Basis von Prozesskostenhilfe.

Was ist der Selbstbehalt beim Kindesunterhalt 2026?

Gegenüber minderjährigen Kindern beträgt der notwendige Selbstbehalt des Unterhaltspflichtigen 2026 mindestens 1.450 € netto monatlich. Liegt das bereinigte Nettoeinkommen darunter, ist keine Erhöhung des Unterhalts möglich – außer bei verschleiertem Einkommen oder fiktivem Einkommen.

Was passiert, wenn der Unterhaltspflichtige keine Auskunft erteilt?

Das Familiengericht kann den Unterhaltspflichtigen per Beschluss zur Auskunft verpflichten (§ 1605 BGB). Verweigert er trotzdem die Auskunft, kann das Gericht das Einkommen nach oben schätzen – das geht dann zu Lasten des Pflichtigen.

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