Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle 2026: Je nach Einkommen und Altersgruppe zahlt der Unterhaltspflichtige zwischen 482 € und 1.548 € pro Monat. Wie viel du konkret zahlst oder bekommst, hängt von drei Faktoren ab: bereinigtes Nettoeinkommen, Alter des Kindes und Kindergeld-Abzug.
Düsseldorfer Tabelle 2026: Die aktuellen Bedarfssätze
Die Düsseldorfer Tabelle wird jährlich vom Oberlandesgericht Düsseldorf aktualisiert und gilt bundesweit als Leitlinie. Sie gliedert sich nach dem bereinigten Nettoeinkommen in 15 Einkommensgruppen und nach dem Alter des Kindes in drei Stufen.
| Nettoeinkommen | 0–5 Jahre | 6–11 Jahre | 12–17 Jahre |
|---|---|---|---|
| bis 1.900 € | 482 € | 554 € | 649 € |
| 1.901–2.300 € | 507 € | 584 € | 683 € |
| 2.301–2.700 € | 533 € | 614 € | 718 € |
| 2.701–3.100 € | 559 € | 643 € | 753 € |
| 3.101–3.500 € | 592 € | 681 € | 797 € |
| 3.501–3.900 € | 625 € | 719 € | 841 € |
| 3.901–4.700 € | 658–691 € | 757–795 € | 886–930 € |
| 4.701–5.500 € | 734–777 € | 845–894 € | 988–1.046 € |
Bereinigtes Nettoeinkommen: Was zählt, was nicht
Das bereinigte Nettoeinkommen ist nicht der Gehaltszettel-Netto. Abzüge mindern das anrechenbare Einkommen: berufsbedingte Aufwendungen pauschal 5 % (min. 50 €, max. 150 €), Tilgungsraten für selbst bewohntes Eigenheim (bis ca. 800 €/Monat), betriebliche Altersvorsorge bis 4 % des Bruttogehalts. Hinzurechnungen erhöhen es: Wohnwert bei mietfreiem Eigenheim (ab 500 €), Steuererstattungen, regelmäßige Nebeneinkünfte.
Praxisbeispiel: Netto 2.650 €, nachgewiesene Fahrtkosten 120 €/Monat → bereinigtes Netto 2.530 € → Einkommensgruppe 3 der Tabelle.
Kindergeld-Anrechnung: So wirkt es sich aus
Das Kindergeld (250 € pro Kind, 2026) wird nicht vollständig abgezogen. Lebt das Kind beim anderen Elternteil, erhält dieser das Kindergeld. Vom Tabellenunterhalt wird die Hälfte des Kindergelds (125 €) abgezogen: Tabellenunterhalt − 125 € = Zahlbetrag.
Beispiel: Kind 8 Jahre, bereinigtes Netto 2.800 € → Tabellenunterhalt 643 € − 125 € = Zahlbetrag 518 €/Monat.
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Selbstbehalt 2026: Wenn das Einkommen nicht reicht
Der Selbstbehalt ist das Existenzminimum das dem Unterhaltspflichtigen verbleiben muss. Liegt das bereinigte Nettoeinkommen darunter, entsteht ein Mangelfall (§ 1603 BGB). Selbstbehalt 2026 gegenüber minderjährigen Kindern (erwerbstätig): 1.450 €/Monat. Nicht erwerbstätig: 1.200 €. Gegenüber volljährigen Kindern in Ausbildung: 1.750 €.
Unterhalt durchsetzen: Wenn nicht freiwillig gezahlt wird
Zahlt der Unterhaltspflichtige nicht, gibt es drei Eskalationsstufen: (1) Jugendamt — kostenlose Beistandschaft nach § 1712 BGB. (2) Unterhaltstitel beim Familiengericht — vereinfachtes Verfahren nach § 249 FamFG. (3) Zwangsvollstreckung — Pfändung beim Arbeitgeber oder Bank.
Sonderfälle: Wechselmodell, volljährige Kinder, Selbstständige
Im Wechselmodell entfällt der klassische Barunterhalt nicht automatisch. Der Unterhalt wird nach dem Einkommensverhältnis beider Elternteile berechnet und aufgerechnet (BGH XII ZB 187/21). Volljährige in Erstausbildung haben weiter Anspruch gegenüber beiden Elternteilen anteilig — Bedarf pauschal 930 €/Monat bei auswärtigem Wohnen. Selbstständige: Gerichte fordern Jahresabschlüsse der letzten 3 Jahre. Wer Einkommen verschleiert, riskiert fiktive Einkommenszurechnung.
Unterhalt anpassen: Abänderungsklage und Auskunftspflicht
Bei wesentlicher Einkommensänderung (über 10 %) kann Unterhalt angepasst werden. Der andere Elternteil muss nach § 1605 BGB alle zwei Jahre Auskunft über sein Einkommen erteilen. Bei Verweigerung: gerichtliche Erzwingung möglich.
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FAQ zur Düsseldorfer Tabelle 2026
Ab wann gilt die Düsseldorfer Tabelle 2026?
Die aktuellen Werte gelten seit dem 1. Januar 2026. Laufende Unterhaltsverpflichtungen werden nicht automatisch angepasst — nur auf Verlangen oder bei wesentlicher Änderung der Verhältnisse.
Gilt die Düsseldorfer Tabelle in Bayern anders?
Nein. Sie gilt bundesweit als Leitlinie — auch in Bayern und allen anderen Bundesländern.
Was passiert, wenn der Unterhaltspflichtige Bürgergeld bezieht?
Bürgergeld-Empfänger gelten als nicht leistungsfähig. Der Staat springt mit Unterhaltsvorschuss ein: bis 199 €/Monat (unter 6 J.), bis 268 € (6–11 J.), bis 314 € (12–17 J.).
Muss ich Unterhalt zahlen, wenn ich keinen Kontakt zu meinem Kind habe?
Ja. Unterhaltspflicht und Umgangsrecht sind rechtlich unabhängig (§ 1603 BGB). Verweigerter Umgang berechtigt nicht zur Einstellung der Zahlungen.
Was ist der Unterschied zwischen Tabellenunterhalt und Zahlbetrag?
Tabellenunterhalt ist der Bruttobetrag aus der Tabelle. Zahlbetrag = Tabellenunterhalt minus halbes Kindergeld (125 €). Beispiel: 643 € − 125 € = 518 €.
Was tun, wenn der andere Elternteil das Einkommen verschweigt?
Nach § 1605 BGB besteht Auskunftspflicht. Du kannst sie schriftlich anfordern und bei Verweigerung gerichtlich erzwingen. Das Gericht kann dann ein fiktives Einkommen zurechnen.