Der Unterhaltsvorschuss ist deine finanzielle Rettungsleine, wenn dein Kind keinen Unterhalt vom anderen Elternteil bekommt — der Staat springt ein und zahlt monatlich, bis der Pflichtige wieder leistet oder das Kind 18 wird. Mit dem richtigen Antrag und den korrekten Unterlagen bekommst du das Geld schneller, als du denkst.
⚠️ Rechtlicher Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen
Information und stellt keine Rechtsberatung dar. Für deine konkrete Situation empfehlen wir
eine Beratung durch einen zugelassenen Rechtsanwalt für Familienrecht.
Wer hat Anspruch auf Unterhaltsvorschuss 2026?
Nicht jedes Kind bekommt Unterhaltsvorschuss. Der Anspruch ist an klare Bedingungen geknüpft — wenn dein Kind alle erfüllt, hast du Glück:
- Dein Kind ist unter 18 Jahre alt (über 18 Jahren nur in Ausnahmefällen bis 21 Jahre bei Ausbildung, § 1 UVG)
- Das Kind lebt mit dir im gleichen Haushalt und wird von dir betreut
- Der andere Elternteil zahlt keinen oder zu wenig Unterhalt — das ist der wichtigste Punkt
- Dein Kind hat Kindergeld oder eine vergleichbare Familienleistung
- Du wohnst in Deutschland mit deinem Kind
Ab 2026 ist wichtig: Auch wenn der unterhaltspflichtige Elternteil Unterhaltsrückstände hat oder sich dem Unterhalt entzieht, bekommst du Vorschuss — der Staat tritt dann ein.

Aktuelle Unterhaltsvorschuss-Beträge 2026
Das Geld ist nicht riesig, aber es macht den Unterschied. Die Höhe hängt vom Alter deines Kindes ab:
| Alter des Kindes | Betrag ab 2026 |
| Unter 6 Jahren | 221 Euro/Monat |
| 6 bis unter 12 Jahren | 295 Euro/Monat |
| 12 bis unter 18 Jahren | 360 Euro/Monat |
Diese Beträge sind steuerfrei und werden monatlich auf dein Konto überwiesen — ohne zeitliche Begrenzung, solange die Voraussetzungen erfüllt sind. Die Beträge werden jährlich angepasst, daher prüfe immer aktuell bei deiner Unterhaltsvorschussstelle.

Schritt-für-Schritt: So stellst du den Antrag richtig
Der Antrag selbst ist nicht kompliziert — wenn du die Schritte befolgst, brauchst du keinen Anwalt dafür. Hier ist der Weg:
- Schritt 1: Zuständigkeit klären
Die Unterhaltsvorschussstelle sitzt bei deinem Jugendamt. Rufe dort an oder schau auf der Website deiner Stadt/Gemeinde nach. - Schritt 2: Antragsvordruck abholen oder ausdrucken
Viele Jugendämter haben Vordrucke auf der Website zum Download. Andere schicken sie dir zu. Der Antrag ist kostenlos. - Schritt 3: Antrag ausfüllen
Wichtig: Name, Geburtsdatum und Kindergeldnummer deines Kindes, deine Bankverbindung, Anschrift des anderen Elternteils (wenn bekannt). - Schritt 4: Dokumente sammeln und einreichen
Siehe unten: Welche Unterlagen brauchst du. - Schritt 5: Bestätigung abwarten
Das Jugendamt bestätigt den Eingang. Die Bearbeitung dauert 4–8 Wochen. Danach sollte das Geld monatlich kommen.
Tipp: Stelle den Antrag so schnell wie möglich nach der Trennung — die Leistung wird ab dem Monat gezahlt, in dem du den Antrag gestellt hast, nicht rückwirkend.
Welche Unterlagen brauchst du für den Unterhaltsvorschuss Antrag?
Das Jugendamt will Sicherheit haben — daher musst du nachweisen, dass du die Voraussetzungen erfüllst. Folgende Dokumente solltest du bereitstellen:
- Dein Personalausweis oder Reisepass (Kopie)
- Geburtsurkunde deines Kindes (Original oder beglaubigte Kopie — oft wird das Original verlangt)
- Kindergeldbescheid — das zeigt, dass dein Kind berechtigt ist
- Scheidungs-/Trennungsurkunde oder notarielle Erklärung, dass ihr getrennt lebt
- Zahlungsbestätigung oder -nachweis vom anderen Elternteil (falls er zahlt) — zum Beispiel Überweisungsbelege, um zu zeigen, dass der Unterhalt unter dem Pflichtbetrag liegt
- Einkommensnachweis (optional) — Manche Jugendämter fordern dein letztes Einkommensteuerjahr an, um zu prüfen, ob du nicht selbst Mittel hast
- Bankverbindung — IBAN und BIC
Pro-Tipp: Mach Kopien von allem und behalt die Originale. Wenn das Jugendamt unsicher ist, fordert es nach — das dauert dann länger.
Häufige Fehler beim Antrag — und wie du sie vermeidest
Viele Anträge dauern länger, weil kleine Fehler gemacht werden. Achte darauf:
- Antrag unvollständig eingereicht
Lücken im Formular bedeuten Rückfragen. Fülle alles aus, auch die Felder, die auf den ersten Blick unwichtig wirken. - Falsche Adresse des anderen Elternteils
Das Jugendamt muss den unterhaltspflichtigen Elternteil anschreiben. Wenn die Adresse stimmt nicht, verzögert sich alles. - Kindergeld und Unterhaltsvorschuss verwechseln
Kindergeld ist nicht dasselbe wie Unterhaltsvorschuss. Beides zusammen geht, aber es ist getrennt zu beantragen. - Zu lange warten mit dem Antrag
Je früher nach der Trennung, desto besser. Unterhalt kann nicht rückwirkend für Monate davor gelten, aber Unterhaltsvorschuss ab Antragstellung. - Keine Nachverfolgung
Wenn nach 6 Wochen nichts kommt: Anrufen und nachfragen. Manchmal braucht das Jugendamt noch eine Unterkunftsbestätigung oder dein Kind braucht einen Registrierungscode.
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Was passiert, wenn der unterhaltspflichtige Elternteil nicht zahlt?
Das ist genau die Situation, für die Unterhaltsvorschuss erfunden wurde. Der Staat zahlt nicht, weil der andere Elternteil pleite ist — sondern weil er sich der Verantwortung entzieht.
Hier sind deine Optionen:
- Das Jugendamt wird aktiv
Der Staat tritt als Gläubiger ein und versucht, das Geld vom Unterhaltspflichtigen einzutreiben. Das läuft über Pfändung, Kontopfändung oder Lohnpfändung (§ 7 UVG). - Du bekommst dein Geld trotzdem
Du musst nicht warten, bis der andere bezahlt. Das Jugendamt überweist dir den Unterhaltsvorschuss, egal ob der Pflichtige zahlt oder nicht. Das ist die ganze Idee. - Höchstdauer: 72 Monate
Allerdings wird Unterhaltsvorschuss maximal 72 Monate (6 Jahre) ausgezahlt, dann reicht es dem Staat. Danach musst du selbst gegen den Ex vorgehen oder dich auf Sozialhilfe beantragen.
Wichtig: Wenn der Unterhaltspflichtige später bezahlen kann, versucht das Jugendamt, die gezahlten Beträge zurückzuholen. Das ist rechtens — du bekommst das Geld quasi als Vorschuss.
Unterhaltsvorschuss und Kindergeld — wie wirkt sich das auf deine Finanzen aus?
Das ist eine häufige Verwirrung: Kann ich Kindergeld UND Unterhaltsvorschuss bekommen? Ja — aber mit Grenzen.
Das musst du wissen:
- Kindergeld ist eine separate Familienleistung. Du zahlst es nicht zurück.
- Unterhaltsvorschuss ist der Mindestunterhalt für dein Kind, wenn der andere Elternteil nicht zahlt.
- Beide zusammen sind möglich — aber der Staat rechnet hier genau: Wenn dein Kind eigenes Einkommen hat (zum Beispiel aus Ausbildung oder Arbeit), wird das angerechnet.
- Wenn der unterhaltspflichtige Elternteil später zahlt, wird sein Geld zuerst gegen den Unterhaltsvorschuss verrechnet, nicht gegen das Kindergeld.
In der Praxis: Du brauchst dich nicht zu entscheiden. Stelle einen Antrag auf Unterhaltsvorschuss, während du bereits Kindergeld bekommst. Das Jugendamt prüft die Anrechnung.
Wann läuft der Unterhaltsvorschuss aus — und was dann?
Unterhaltsvorschuss hat ein Ablaufdatum. Hier die wichtigsten Grenzen:
- Altersgrenzen: Maximal bis zum 18. Geburtstag deines Kindes (in Ausnahmefällen bis 21, wenn es in Ausbildung ist).
- Die 72-Monats-Falle: Nach 72 Monaten (6 Jahren) stoppt der Staat die Zahlungen. Dann musst du selbst gegen den Ex vorgehen, vor Gericht klagen oder dein Kind wird sozialhilfepflichtig.
- Wenn der Unterhaltspflichtige später zahlt: Der Unterhaltsvorschuss stoppt. Du bekommst dann den direkten Unterhalt vom Ex-Partner — sofern dieser zahlt.
Das ist wichtig zu wissen: Nach 6 Jahren ist Schluss. Plane voraus. Vielleicht brauchst du ein regelmäßiges Einkommen, bevor die Zahlungen enden, oder du machst Schuldenrechtliche Ansprüche geltend.
Wie lange dauert die Bearbeitung?
Geduld ist angesagt, aber es lohnt sich:
Zeitrahmen:
- Erstes Anschreiben des Jugendamts an den unterhaltspflichtigen Elternteil: 2–4 Wochen
- Antwort des Pflichtigen: 2–3 Wochen
- Erste Zahlung: 4–8 Wochen nach Antragstellung (im Durchschnitt)
In manchen Bundesländern geht es schneller, in anderen langsamer. Wenn nach 8 Wochen nichts passiert ist, ruf das Jugendamt an und frag nach deinem Fall.
Rückwirkung: Unterhaltsvorschuss wird ab dem Monat gezahlt, in dem du den Antrag stellst — nicht davor. Das ist ein großer Unterschied zu anderen Leistungen. Daher: Je schneller der Antrag, desto mehr Geld.
Häufig gestellte Fragen
Wie hoch ist der Unterhaltsvorschuss 2026?
Die Beträge sind gestaffelt nach Alter: Unter 6 Jahren 221 Euro/Monat, 6–12 Jahre 295 Euro/Monat, 12–18 Jahre 360 Euro/Monat. Diese Beträge gelten für 2026 und werden jährlich angepasst.
Kann ich Unterhaltsvorschuss beantragen, wenn der andere Elternteil arbeitslos ist?
Ja, genau dafür ist es da. Unterhaltsvorschuss wird gezahlt, wenn der unterhaltspflichtige Elternteil nicht zahlt — egal ob aus Arbeitslosigkeit, fehlender Bereitschaft oder Zahlungsschwierigkeiten. Der Staat springt ein.
Wie lange bekomme ich Unterhaltsvorschuss?
Maximal bis zum 18. Geburtstag deines Kindes (in Ausbildung bis 21 Jahre). Allerdings ist die Maximalgelddauer 72 Monate (6 Jahre). Nach Ablauf musst du andere finanzielle Wege gehen.
Was ist der Unterschied zwischen Unterhaltsvorschuss und Unterhalt?
Unterhalt zahlst du direkt vom unterhaltspflichtigen Elternteil. Unterhaltsvorschuss ist eine staatliche Leistung, die der Staat dir zahlt, wenn der Ex nicht zahlt oder nicht zahlungsfähig ist. Das Jugendamt versucht dann, das Geld vom Ex einzutreiben.
Muss ich den Unterhaltsvorschuss zurückzahlen?
Nein — es sei denn, der unterhaltspflichtige Elternteil zahlt später. Dann wird das später gezahlte Geld gegen die Unterhaltsvorschussleistung verrechnet. Du musst es nicht aus eigener Tasche zurückzahlen.
Wo stelle ich den Antrag?
Bei der Unterhaltsvorschussstelle deines Jugendamts. Diese sitzt in deiner Stadt oder Gemeinde. Schau auf der Website deines Jugendamts nach oder ruf an — dort kriegst du auch den Antragsvordruck.